Die Challenger-Katastrophe

Am 28. Januar 1986 geschah das wohl größte Unglück in der bemannten Raumfahrt.
Es sollte der 25. Flug eines Space Shuttles und der 10. Flug der "Challenger" werden. Erstmals war auch eine Zivilistin mit an Bord. Doch 73 Sekunden nach dem Start geschah die Katastrophe.
Die Raumfähre "Challenger" explodierte und alle Insassen kamen dabei ums Leben.
Doch das Unglück geschah keineswegs unerwartet. Man wusste schon vorher von möglichen Gefahren. Der Tod der Besatzung und die Explosion der Raumfähre waren vermeidbar gewesen. Hier soll gezeigt werden, wie es zur Katastrophe kam:

   

Das Space Shuttle leitete neue Wege in die bemannte Raumfahrt ein. Mit Hilfe der neuen Techniken konnten Satelliten kostengünstiger ins All geschossen werden. Dennoch kostete der Betrieb der Raumfähren eine Menge Geld und für das Jahr 1987 standen für das Space-Shuttle-Programm drastische Budget-Kürzungen ins Haus.

Um die Nation wieder mehr für die Raumfahrt zu interessieren und den Flug ins All nicht zum Alltag werden zu lassen, wollte die NASA erstmals eine Zivilistin mit an Bord schicken. Eine Lehrerin sollte es sein, die im All Schüler unterrichten konnte.

11.000 Lehrer bewarben sich um die Stelle und schließlich wurde die 36jährige Christ McAuliffe aus New-Hampshire ausgewählt.

Während mit dem Lehrer-Projekt das Interesse der Nation angeregt wurde, machten sich Techniker um die Feststoffbooster sorgen.

Bei bisher 17 Flügen gab es Beschädigungen an den Dichtungen der Booster. Die Firma "Morton-Thiokol" aus dem Bundesstaat Utah stellte die Feststoffraketen her. Allerdings werden sie in Einzelteilen ins 3000 km entfernte Cape Canaveral transportiert. Beim Zusammensetzen ergeben sich Fugen, in denen Dichtungen eingebaut wurden, um ein Entweichen heißer Treibstoffgase zu verhindern.

Das Problem an den Dichtungen waren tiefe Temperaturen. Die Dichtungen hatten dann nicht mehr ausreichend Schutz, da sie sich nicht so schnell ausdehnen können, wenn die Temperatur beim Start erheblich ansteigt.

Bei der NASA wusste man von diesen Problemen. Einen Umbau wollte man vorerst allerdings nicht vornehmen, da man das Shuttle-Programm vor allem wegen der drohenden Kürzungen nicht verschieben wollte. Die Challenger sollte erstmals schon im Dezember starten, doch der Start wurde insgesamt schon 4 mal verschoben.

Die NASA wollte vom endgültigen Termin am 28. Januar nicht mehr abweichen.

In einer Telefonkonferenz am Tag vor dem Start forderte der Raketenhersteller "Morton-Thiokol" die NASA auf, den Start erst durchzuführen, wenn die Temperaturen über 10 °C gestiegen seien, da die derzeitigen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt waren.

Doch die NASA lag so schon im Zeitplan zurück und glaubte nicht an ein Versagen der Feststoffraketen. Bisher hatte es immer geklappt. Sie glaubten, die Technik sei zuverlässig.

Die NASA-Manager drängten den Raketenhersteller dem Start zuzustimmen. Durch den Druck und der Angst, die NASA könnte sich nach einem anderen Raketenhersteller umschauen, stimmten die Techniker von "Morton-Thiokol" schließlich doch zu. Der Start sollte also wie vorgesehen stattfinden.

Am 28. Januar 1986 um 8:30 Uhr wurde die Besatzung mit einem Bus zur Raumfähre gebracht. Keiner von ihnen wusste von den Problemen.

Die Temperaturen lagen bei 2 Grad über Null. Eis hatte sich auf der Raumfähre gebildet und musste entfernt werden.

Um 11:38 Ortszeit (17:38 Uhr MEZ) verließ die Challenger schließlich die Erdoberfläche und startete gen Himmel.

Millionen Menschen weltweit, auch die Schüler der Lehrerin verfolgten den Start live.

Doch in schon weniger als einer Sekunde nach dem Start wurden von Kameras schwarze Rauchwolken am rechten Feststoffbooster entdeckt.

Wie von "Morton-Thiokol" befürchtet, konnten sich die Gummidichtungen bei dieser Kälte nicht schnell genug ausdehnen. Treibstoff trat ins Freie. Glücklicherweise schloss sich das Leck kurz darauf wieder.

Der Start verlief zunächst wieder ohne weitere Probleme. Doch 59 Sekunden nach dem Start öffnete sich das Leck erneut. Nicht nur schwarze Rauchwolken, sondern sogar eine Flamme trat am unteren Ende des rechten Boosters aus. Die Gummidichtung schien durchgebrannt zu sein.

Die Flamme wurde immer größer und zerstörte die Befestigung am Treibstofftank. Die rechte Feststoffrakete war nicht mehr sicher mit dem Tank verbunden und schwankte; dabei beschädigte sie die rechte Tragfläche der Challenger.

Dann ging alles ganz schnell. Der fast abgelöste Booster stieß mit der Spitze gegen den Außentank und beschädigte ihn so stark, dass ein Leck entstand und Treibstoff ins Freie trat.

Dies löste eine Explosion aus und zerstörte das Shuttle inklusive der Besatzung.

               

       

73 Sekunden nach dem Start ging alles in Rauch und Flammen auf. Teile der Raumfähre zerschellten zwei bis drei Minuten später auf der Meeresoberfläche.

35 Sekunden später wurden die beiden Feststoffraketen gesprengt, damit sie nicht auf bewohntes Gebiet stürzen konnten.

Die Besatzung der Challenger (Bild):

Die NASA war schockiert. Erst Stunden später gab sie eine Pressekonferenz ab.

Nun begann die Suche nach den Ursachen. Überreste der Raumfähre wurden gesucht und schließlich konnten 50 % davon geborgen werden. Sogar menschliche Überreste fanden die Taucher.

Nach umfangreichen Nachforschungen fand man auch die Ursachen. Schuld waren zum einen die Dichtungen, aber auch eine fehlerhafte Konstruktion und die Kälte hatten Schuld am tragischen Unglück.

Für die Verantwortlichen hatte dieses Unglück Konsequenzen. Mit neuen Managern und neuen Regelungen wollte die NASA einen besseren Kurs fahren.

Am gesamten Startsystem wurden über 2000 Änderungen durchgeführt. Die Dichtungen am Booster bestanden nun aus drei Gummidichtungen und jede besaß eine eigene Heizung.

Nach zweieinhalb Jahren Pause startet am 29. September 1988 die Raumfähre "Discovery" ins All. Die Sicherheit stand bei der NASA wieder an erster Stelle. Bei den kleinsten Risiken wird ein Start abgebrochen.

Doch für ein erfolgreiches Shuttle-Programm benötigte man vier Orbiter. So sollte als Ersatz für die Challenger die Raumfähre "Endeavour" gebaut werden, die schließlich ab 1992 zum Einsatz kam.

Bis heute ist das Shuttle Programm das Wichtigste in der bemannten Raumfahrt.