Tschernobyl zur Erinnerung! -

Die Chronik der Katastrophe

Die Folgen von Tschernobyl

Dokumente zu Tschernobyl

Die Folgen von Tschernobyl

Am 26. April 1986 ereignete sich im Atomkraftwerk Tschernobyl der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der Atomenergie-Nutzung. Der vierte Reaktorblock des Kraftwerks durch eine nukleare Explosion vollständig zerstört. Rauch und Dampf bildeten eine "strahlende" Wolke. Diese zog über die westlichen Teile der Sowjetunion hinweg und in Richtung Mitteleuropa. Schließlich breitete sie sich über die ganze nördliche Erdhalbkugel aus. Mit dieser Wolke wurde die rund 200fache Menge an Radioaktivität freigesetzt wie bei den Atombombenabwürfen von Hiroshima oder Nagasaki. Die Folgen dieser Katastrophe sind auch heute noch immer nicht in ihrer ganzen Tragweite absehbar. Besonders betroffen sind die Menschen, die Weißrußland, der Ukraine und Rußland leben. Die gesundheitliche, wirtschaftliche und ökologische Zukunft ganzer Regionen ist für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte zerstört. In Weißrußland, der Ukraine und Rußland leben heute 5,8 Millionen Menschen in Gebieten, die mit einer Strahlung von mehr als 185.000 Becquerel pro Quadratmeter (Bq/m2) Boden belastet sind. Insgesamt leben rund neun Millionen Menschen in potentiell gesundheitsgefährdenden Gebieten. Allein in der Ukraine werden offiziell über drei Millionen Menschen als Tschernobyl-Betroffene eingestuft. WHO geht davon aus, daß gesicherte Erkenntnisse über das tatsächliche Ausmaß von Tschernobyl frühestens in 20 Jahren vorliegen werden.

Unmittelbar nach dem Unfall starben laut offiziellen Angaben 31 Menschen an Verbrennungen und akuter Strahlenkrankheit. Zwei- bis dreihundert weitere schwere Krankheitsfälle wurden gemeldet. Insgesamt wurden nach dem Unfall etwa 800.000 Personen zu Dekontaminationsarbeiten am zerstörten Reaktorblock eingesetzt. Von diesen Helfern, im sowjetischen Sprachgebrauch "Liquidatoren" genannt, sind bis heute mindestens 7.000 Menschen verstorben. Die Selbsthilfegruppe der Liquidatoren sprach allerdings schon vor einigen Jahren von bis zu 10.000 Toten. Anderen Angaben zufolge starben bisher bereits 15.000 Personen aus dieser Gruppe. Über die Zahl der erkrankten Liquidatoren liegen keine gesicherten Daten vor. Die WHO spricht jedoch von etwa 125.000 Erkrankten. Jeder fünfte Liquidator leidet unter Schlafstörungen. Von den 200.000 ukrainischen Liquidatoren wird heute ein Viertel offiziell als arbeitsunfähig eingestuft. 38 Prozent ihrer russischen Kollegen gelten als krank.

Die Strahlenschäden beschränken sich jedoch keineswegs auf die Liquidatoren. Nach einem Bericht der UNO erkranken die Bewohner der strahlenbelasteten Regionen in der Ukraine insgesamt um 30 Prozent häufiger als ihre Landsleute in unbelasteten Gebieten. Die Zahl der Frühinvaliden liegt um das Sechsfache höher. Es sei ein Anstieg insbesondere bei Lungen- und Magenkrebs, festzustellen. Unter den Heranwachsenden in Weißrußland haben Erkrankungen des Blutkreislaufs seit 1988 um 43 Prozent zugenommen, Knochen und Muskelkrankheiten um 62 Prozent, bösartige Tumore um 38 Prozent. Zudem wird von häufigen Mißbildungen bei Neugeborenen berichtet. Zwölf Prozent der 540.000 Kinder, die in den kontaminierten Gebieten Weißrußlands leben, sind bereits krank. Besonders dramatisch und alarmierend ist der Anstieg bei den Schilddrüsenkrebs-Erkrankungen. Gegenüber der Situation vor dem Unfall tritt dieser normalerweise ganz seltene Krebs in hochbelasteten Regionen rund 300mal häufiger und erheblich aggressiver auf. Insgesamt sind bis 1994 mehr als 600 Fälle von  Schilddrüsenkrebs bei Kindern registriert worden. Die WHO befürchtet, daß in den ersten Tagen nach dem Unfall rund zwei Millionen Kinder mit radioaktivem Jod verseucht worden sind. Schätzungen zufolge werden viele davon an Schilddrüsentumoren erkranken. Das heißt, es muß in den kommenden Jahren noch mit Zehntausenden Erkrankungen durch Schilddrüsenkrebs gerechnet werden. 

Foto ŠJames Lerager nuclear history, nuclear destiny

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