Der Untergang der Titanic - ein Augenzeugenbericht

Angeregt durch den Besuch des eindrucksvollen Kinofilms "Titanic", den ich am 6. Februar 1998 gesehen habe, kam mir in den Sinn, hierüber doch vor vielen Jahren einen Augenzeugenbericht gelesen zu haben. Ich habe diesen interessanten Artikel wiedergefunden - er war in der Zeitschrift "Erwachet!" vom 22. Januar 1982.

Auch auf dieser Web-Site: Am Ende dieser Seite findest Du weitere Informationen, zum Beispiel über die Frage, warum es in den Passagier-Listen der Titanic keinen Louis Garrett gibt.

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Hier ist nun der Artikel aus dem "Erwachet!", erschienen vor 16 Jahren:


"Ich überlebte den Untergang der TITANIC"

WENIGE Monate bevor mein Onkel starb, besuchte ich ihn in Jacksonville (Florida, USA), wo auch meine betagten Eltern wohnen. Wie immer gingen wir am Sonntag vormittag in den Königreichssaal der Zeugen Jehovas, um uns einen öffentlichen Vortrag anzuhören. Das Thema der sehr interessanten Ansprache lautete: "Wirst du die ,letzten Tage' überleben?" Auf dem Heimweg sagte mein Onkel: "Der Vortrag hat mich wieder an die schreckliche Katastrophe erinnert, die ich miterlebt habe." Er hielt kurz inne und fügte dann hinzu: "Wie du weißt, habe ich den Untergang der Titanic überlebt."

Später bat ich meinen Onkel, Louis Garrett, mir seine Erlebnisse in Verbindung mit der Titanic zu erzählen.

Das wollte er tun. "Ich muß nur etwas ausholen", meinte er. "Ich wurde im Jahre 1900 geboren. Mein Geburtsort war Hakoor, ein kleines Bergdorf in Libanon, das etwa 130 bis 140 km nördlich von Beirut liegt. Wir besaßen eine mit Wasserrädern betriebene Getreidemühle. Mein Vater war der Dorfmüller. Doch wir beschlossen, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Im Jahre 1904 verließen meine Mutter und zwei meiner Schwestern Libanon. Später, 1906, wanderte mein älterer Bruder in die Staaten aus. Und 1912 folgten ihnen mein Vater, meine Schwester und ich.

Im März dieses Jahres fuhren wir mit dem Schiff nach Marseille (Frankreich). Dort buchten wir einen Platz auf der Titanic. Dieses nagelneue Schiff machte seine Jungfernfahrt von England nach New York. Am 10. April 1912 sollte die Fahrt beginnen. Doch leider mußten wir meinen Vater in Marseille zurücklassen, denn bei der ärztlichen Untersuchung hatte es sich gezeigt, daß er an einer Augeninfektion litt." Mein Onkel meinte lächelnd: "Aber das war sein großes Glück."

"Meine Schwester war 14 und ich 12, als wir an Bord der Titanic gingen. Einerseits waren wir traurig, daß wir unseren Vater zurücklassen mußten, andererseits aber freuten wir uns, an Bord der Titanic zu sein, denn sie war damals das größte, schnellste und luxuriöseste Schiff und galt überdies als unsinkbar. Der Ozeanriese hatte über 2 200 Menschen an Bord, darunter einige der begütertsten und einflußreichsten jener Zeit. Viele fuhren mit der Titanic, um deren Jungfernfahrt zu feiern. Das zu tun war für die High-Society jener Tage ,in'. Das Schiff fuhr mit der erwarteten Geschwindigkeit. Man hoffte, am Mittwoch, dem 17. April, in New York zu sein. Das Meer war ruhig und das Wetter wie immer im April kühl.

Am Sonntag, dem 14. April, dem fünften Tag unserer Seereise, wurde es ungewöhnlich kalt - so bitter kalt, daß sich nur wenige der Passagiere auf dem Promenadendeck aufhielten. Wir erfuhren, daß das Schiff verschiedentlich vor Eisbergen gewarnt worden war. Doch man rechnete nicht damit, daß sich auf dem Kurs der Titanic Eisberge befanden. Daher brauste das Schiff mit unverminderter Geschwindigkeit dahin. Der Kapitän der Californian, eines Frachters, der ebenfalls im Nordatlantik unterwegs war, funkte eine Eisbergwarnung zur Titanic. Aber diese Warnung wurde unbeachtet gelassen. Für dieses allzu große Selbstvertrauen des Kapitäns Smith bezahlte man mit dem Leben von fast 700 Seeleuten und über 800 Passagieren - ein hoher Preis!

   Mittwoch, 10. April: Die Titanic lief mit rund 2 200 Personen an Bord von Southampton zu ihrer Jungfernfahrt aus. In Frankreich und Irland legte sie kurz an und nahm dann Kurs auf New York.
   Sonntag, 14. April: Es war sehr kalt geworden. Trotz Eiswarnungen brauste die Titanic mit 22 Knoten dahin. Kurz vor Mitternacht rammte sie etwa 150 km südlich der Neufundlandbänke einen Eisberg.
   Montag, 15. April: Die Titanic sank nur 2 Stunden und 40 Minuten nach dem Zusammenstoß; 1 500 Personen kamen dabei ums Leben. Das Schiff befand sich 2 570 km nordöstlich seines Bestimmungsortes.

Am Sonntag, dem 14. April, 23.45 Uhr wurden meine Schwester und ich durch einen heftigen Stoß wach gerüttelt. Meine Schwester, die im oberen Kajütenbett lag, schrie: ,Da ist etwas passiert!'

,Schlaf nur weiter, du hast viel zuviel Angst', rief ich ihr zu. Kurz danach trat ein älterer Mann in die Kabine. Er hatte uns, als wir an Bord des Schiffes gekommen waren, gleich unter seine Fittiche genommen. In ruhigem Ton sagte er: ,Ihr müßt sofort aufstehen und an Deck gehen. Laßt alle eure Sachen da. Die werden euch später gebracht werden.'

Wir hatten eine Fahrkarte für die Zwischendeck-Klasse, was bedeutete, daß wir zum Zweite-Klasse-Deck hinaufgehen durften. Aber den Passagieren von der Zweiten Klasse und von der Zwischendeck-Klasse war es untersagt, durch die bewachte Tür zu gehen, die zum Erste-Klasse-Oberdeck führte. Doch sagte man uns, wir sollten versuchen, auf das Erste-Klasse-Oberdeck zu gelangen, denn dann hätten wir mehr Aussicht, in ein Rettungsboot zu kommen. Uns blieb keine andere Wahl, als eine eiserne Leiter hochzuklettern, die das Zwischendeck mit fünf oder sechs Decks verband, um dahin zu kommen, wo die Rettungsboote waren. Das gelang uns, doch nur mit der allergrößten Mühe, denn besonders für meine Schwester war es schwierig, die Eisenleiter hinaufzuklettern. Aber andere halfen uns, und so schafften wir es.

Welch ein Anblick! Die meisten Rettungsboote waren bereits weg. Die Besatzung gestattete nur Frauen und Kindern, die Boote zu besteigen. Es waren nämlich nicht genug Boote für alle Personen an Bord. Wir sahen weinende Frauen, die ihren Mann nicht verlassen wollten; Männer, die ihre Frau und ihre Kinder anflehten, sich zu beeilen und in ein Rettungsboot zu steigen. Während dieses ganzen Tumultes und dieser Massenhysterie standen meine Schwester und ich an Deck - zwei Einwandererkinder, die kein Wort Englisch sprachen, total verängstigt, weinend und hilfesuchend.

Die Titanic war mit ihrer Länge von 269 m das größte Schiff der Welt. Ihre Wasserverdrängung überstieg die eines Schlachtschiffes aus jener Zeit um 5 000 t. Der Schiffsrumpf war in 16 wasserdichte Abteilungen unterteilt, und weil das Schiff noch schwimmfähig war, wenn vier davon unter Wasser standen, galt das Schiff als unsinkbar. "Was die Sicherheit betraf, ... so glaubte man, daß mit dem Bau der Titanic das letzte Wort gesprochen sei" ("New York Times", 16. April 1912). Aber der Eisberg brach einen 90 m langen Spalt in das Schiff, so daß fünf der wasserdichten Abteilungen volliefen und die "unsinkbare" Titanic unterging.

Das letzte Rettungsboot wurde gefüllt. Ein Herr in mittlerem Alter half seiner blutjungen Frau, die schwanger war, ins Rettungsboot, dann drehte er sich um und sah noch andere an Deck stehen, die hinein wollten. Er gab seiner Frau einen Abschiedskuß, kehrte auf das Deck zurück und schnappte den erstbesten, den er sah. Glücklicherweise war ich zur rechten Zeit am rechten Platz, und so setzte er mich in das Rettungsboot. Ich schrie laut nach meiner Schwester, die wie versteinert vor Angst dastand. Andere Passagiere schubsten auch sie ins Rettungsboot. Wer war der ritterliche Mann, der diese menschenfreundliche Tat vollbracht hatte? Man sagte uns, es sei John Jacob Astor IV. gewesen. Zu der Zeit war er 48 Jahre alt und seine Frau, Madeleine, 19 Jahre. Sie wollten in die Vereinigten Staaten reisen, damit ihr Kind dort geboren würde. In vielen Zeitungsberichten wurde erwähnt, daß John Jacob Astor sein Leben für einen jungen Einwanderer geopfert habe. Aus den Akten der Familie Astor geht hervor, daß Mr. Astor nach Berichten von Mrs. Astor mit einem Seemann einen Wortwechsel hatte, weil dieser es ihm nicht gestatten wollte, seiner Frau persönlich ins Rettungsboot zu helfen. Er tat es dennoch. Und wie erwähnt, gab er ihr einen Abschiedskuß, kehrte auf das Deck zurück und half anderen in das Rettungsboot.


Wir vernahmen Akkorde des vom Orchester gespielten Chorals "Näher, mein Gott, zu dir", und die Leute sangen mit.

Ich war froh, im Rettungsboot zu sein, aber ich war traurig wegen all der Leute, die sich noch auf der Titanic befanden. Jetzt, als ich zu dem stolzen Ozeanriesen hinüberblickte, sah ich das Schiff von einer ganz anderen Perspektive, und weil noch einige Lichter brannten, konnte ich sehen, wie groß und schön es war. Da die Nacht so still war und der Schall sich leicht über Wasser fortpflanzt, konnten wir Akkorde des vom Orchester gespielten Chorals ,Näher, mein Gott, zu dir' hören, den die Leute mitsangen. Die Seeleute ruderten so weit vom Schiff weg, wie sie nur konnten. Man befürchtete, daß ein Sog entstünde, wenn das Schiff endgültig versinken würde. Doch das geschah nicht, auch ereignete sich keine Explosion, wie einige erwartet hatten. In jener Nacht war das Meer ungewöhnlich ruhig. Das war sehr gut, denn die meisten Rettungsboote waren mit Menschen schwer beladen.

Gemäß den Berichten sank die Titanic am 15. April 1912 um 2.20 Uhr. Ich schaute zu, wie sie tiefer und tiefer ins Wasser tauchte, bis sie schließlich in einem steilen Winkel unterging. Das schreckliche Ende der Titanic ist mir unvergeßlich geblieben, ja die Erinnerung daran verfolgt mich bis heute: das schauerliche Geschrei der Menschen und ihre verzweifelten Hilferufe, als sie in das eisige Wasser geschleudert wurden. Fast alle kamen darin um. Nach etwa 45 Minuten erstarb das Schreien."

Mein Onkel schwieg und dachte nach. Dann fuhr er fort: "Ungefähr um Mitternacht begann die Titanic, Seenotzeichen zu geben. Die Carpathia von der Cunard-White-Star-Linie fing den Notruf auf. Die Carpathia, die sich auf der Fahrt nach Gibraltar befand, war 58 Meilen vom Unglücksort entfernt. Sie drehte sofort und fuhr mit Volldampf in Richtung der angegebenen Position. Ungefähr um 4.30 Uhr traf sie an der Stelle ein. Die Californian war nur 20 Meilen von der Unglücksstelle entfernt, aber der Funker konnte das Seenotzeichen nicht hören, weil er, als die Titanic es funkte, bereits Dienstschluß hatte. Spätere Berichte zeigten, daß man auf der Californian die abgefeuerten Raketen zwar gesehen, sich aber gedacht hatte, die Passagiere der Titanic würden zur Feier der Jungfernfahrt des Schiffes ein Feuerwerk abbrennen.


Ich schaute zu, wie sie tiefer und tiefer ins Wasser tauchte, bis sie schließlich in einem steilen Winkel unterging.

Um 8.30 Uhr wurden die letzten Schiffbrüchigen von der Carpathia an Bord genommen. Unser Rettungsboot kam zuletzt an die Reihe. Nachdem man mich an Bord gezogen, mich in Decken eingehüllt und mir heißen Tee gegeben hatte, durchströmte mich ein Gefühl des Glücks, weil ich noch am Leben war - daß die Jacke und die Schuhe, die ich anhatte, viel zu groß waren, fiel überhaupt nicht ins Gewicht.

Einige Zeit danach rief der Kapitän der Carpathia alle Überlebenden an Deck, um ihnen den Eisberg zu zeigen. Mir als Zwölfjährigem erschien er so hoch wie ein zweistöckiges Haus, nur viel breiter und mit einem gewaltigen Kamin. Das Schiff brachte uns nach New York und setzte seine Fahrt nach Gibraltar erst danach fort. Das war eine sehr freundliche Geste von seiten der Verwaltung der Cunard-White-Star-Linie. Am Donnerstag, dem 18. April, 20.30 Uhr trafen wir in New York ein, und unser Schiff wurde zum Pier der Cunard-White-Star-Linie geschleppt.

Wenn ich daran denke, wie viele Stunden wir im Rettungsboot zubrachten, erscheint mir die Rettung durch die Carpathia wie ein Wunder. Die Kälte war beinahe unerträglich. Wir rückten eng zusammen, um uns warm zu halten. Die Leute waren freundlich zueinander. Ich erinnere mich, wie windig es an Deck der Carpathia war. Die Windgeschwindigkeit hatte um mehrere Knoten in der Stunde zugenommen. Glücklicherweise wehte während der Bergung der Schiffbrüchigen kein Wind. Wäre die See in der Zeit nicht so glatt und ruhig gewesen, wären bestimmt nicht so viele gerettet worden."

"Ist in den Rettungsbooten jemand gestorben?" wollte ich wissen.

"Soviel mir bekannt ist, erlitt nur einer den Kältetod. Die Leiche wurde in ein Tuch gewickelt und über Bord geschoben."

"Befanden sich in deinem Rettungsboot auch Männer?"

"Nur Frauen und Kinder, wie befohlen worden war, außer natürlich ein paar Seeleuten, die dem Boot als Besatzung mitgegeben worden waren. Ein junges Ehepaar mit einem Kleinkind hatte die Seeleute überlistet. Die Frau war sehr schlau; sie verkleidete ihren Mann als Frau, setzte ihm ein Kopftuch auf und gab ihm das Kind in den Arm. Sie war in unserem Rettungsboot und er in einem anderen. Beide wurden von der Carpathia geborgen.

Als wir nach New York kamen, dachten wir, man würde uns nach Ellis Island [Insel im Hafen von New York, früher Einreisekontrollstelle] zur Abwicklung der Einreisekontrolle bringen. Aber man verzichtete darauf, weil, wie es hieß, die Überlebenden schon so viel durchgemacht hätten. Man übergab uns dem Roten Kreuz, und dann wurden wir mit unseren Angehörigen zusammengeführt. Isaak, mein älterer Bruder, erwartete uns in New York. Die Tatsache, daß mein Vater in Frankreich bleiben mußte, war allerdings ein Wermutstropfen in der Wiedersehensfreude. Doch dann kamen wir zu dem Schluß, daß er vielleicht gar nicht mehr am Leben gewesen wäre, wenn er mit uns gereist wäre, weil doch nur Frauen und Kinder in die Rettungsboote durften. Vielleicht hätten auch wir dann nicht überlebt. Es wäre uns sehr schwer gefallen, in ein Rettungsboot zu steigen und Papa an Bord der Titanic zurückzulassen. Drei Monate später kam er auf einem anderen Schiff nach."


Noch immer kann ich jenen schrecklichen Morgen, die Hilferufe aus der Dunkelheit und das eiskalte Wasser nicht vergessen.

Mein Onkel schwieg und schaute gedankenverloren vor sich hin. Schließlich holte ich ihn in die Gegenwart zurück mit den Worten: "Du hast dieses Unglück überlebt. Wann hast du erfahren, daß wir in den ,letzten Tagen' leben und uns eine weit größere Katastrophe bevorsteht?"

"Da mußt du dich vom Jahre 1912 in das Jahr 1930 versetzen", sagte er. Damals war ein Kolporteur aus Brooklyn in Jacksonville (Florida) zu Gast, wo wir, meine Frau, mein Sohn und ich, sowie die Familie meines älteren Bruders wohnten. Mein älterer Bruder hatte mit einigen arabisch sprechenden Zeugen Jehovas die Bibel studiert. Darauf wurde er selbst ein aktiver Zeuge. George Kafoory, der Kolporteur, hielt mehrere Zusammenkünfte für arabisch sprechende Personen ab. Ich erhielt eine arabische Ausgabe des Buches Die Harfe Gottes. Nach vielen Gesprächen mit meinem Bruder sagte ich schließlich wütend zu ihm: ,Ich erkenne dich nicht mehr als meinen Bruder an, weil du dich vom griechisch-orthodoxen Glauben abgewandt hast. Es will mir nicht in den Kopf, daß du das Kreuzeszeichen nicht mehr machst, das Sinnbild der Dreieinigkeit.'

Ich liebte meinen Bruder, und der Riß zwischen uns beunruhigte mich tief. Monate danach fiel mir das Buch Die Harfe Gottes, das ich erhalten hatte, in die Hände. Es war schon staubig geworden, aber nun schlug ich es auf und begann, darin zu lesen. Als ich anfing, war es früher Nachmittag, und ich las bis tief in die Nacht. Die Wahrheit des Wortes Gottes begann auf mein Herz einzuwirken. Ich beteiligte mich an einem Studium, das für arabisch sprechende Personen durchgeführt wurde, und im Jahre 1933 ließ ich mich taufen.

Noch ein Ereignis war ein Höhepunkt in meinem Leben. Im Jahre 1949 hatte ich so viel zusammengespart, daß für mich ein jahrelang gehegter Wunsch in Erfüllung ging: Ich konnte nach Libanon reisen. Dort wohnte ein älterer Halbbruder von mir, und diesen wollte ich mit der Königreichshoffnung bekannt machen. Die Flugroute nach Libanon führte über Grönland und auch über fast genau die Stelle, an der die Titanic gesunken war. Während ich auf das kalte Wasser des Atlantik hinabblickte und an jenes traurige Ereignis dachte, kamen mir die Tränen.

Eine Stewardeß, die das bemerkte, beugte sich herüber, tippte meinen Arm an und fragte: ,Fehlt Ihnen etwas? Kann ich Ihnen helfen?' Ich antwortete: ,Nein, nein, ich habe nur an das gedacht, was ich als Zwölfjähriger erlebte. Ich befand mich nämlich auf dem großen Passagierschiff, auf der Titanic, die an dieser Stelle unterging, wobei über 1 500 Menschen umkamen. Noch immer kann ich jenen schrecklichen Morgen, die Hilferufe aus der Dunkelheit und das eiskalte Wasser nicht vergessen.' ,Das muß furchtbar gewesen sein', sagte die hübsche dunkelhaarige Stewardeß. ,Ich erinnere mich, einen Bericht über den Untergang der Titanic gelesen zu haben.'

Meine Reise nach Libanon war erfolgreich. Mein älterer Bruder interessierte sich für die Bibel. Später wurde er auch ein Jehova hingegebener christlicher Zeuge."

Onkel Louis schloß seine Geschichte, indem er auf die Hoffnung hinwies, daß Gottes Königreich das gegenwärtige satanische System der Dinge ersetzen wird.

Einige Passagiere beherzigten
die Aufforderung,
das Schiff zu verlassen, nicht.

"Die Wahrheit des Wortes Gottes", erklärte er, "ist mir im Leben stets wegweisend gewesen. Ich bin Jehova dankbar dafür, daß ich den Untergang der Titanic überleben durfte und daß ich die Gelegenheit bekommen habe, ihm in den kritischen ,letzten Tagen' zu dienen." Mein Onkel wohnte in der Nähe seines älteren Bruders und dessen Frau, und zusammen mit ihnen diente er Jehova nach besten Kräften, bis er starb. Stets betete er, daß Gottes Wille wie im Himmel so auch auf der Erde geschehen möge (Mat. 6:9, 10). Er war zuversichtlich, daß Gott ihn, sollte er vor Harmagedon sterben, durch eine Auferweckung von den Toten aus dem Grab befreien würde.

Wirst du jedoch den Untergang des gegenwärtigen Systems überleben?

ES WAR undenkbar, daß die Titanic untergehen würde. E. J. Smith, der Kapitän der Titanic, hatte gesagt: "Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der heutzutage ein Schiff sinken könnte ... Der moderne Schiffsbau hat dergleichen unmöglich gemacht." Doch die Titanic ging unter. Als das große Schiff bereits zu sinken begann, wollten die Passagiere es immer noch nicht glauben, daß Gefahr drohte. Wie die New York Times am 19. April 1912 schrieb, berichtete ein Überlebender:

Beherzigst du
die Warnung vor dem Ende
des gegenwärtigen Systems?

"Die Besatzung forderte die Passagiere dringend auf, die Rettungsboote zu besteigen, doch niemand hatte es eilig. Man glaubte nicht, daß Gefahr im Verzug sei, und allgemein dachte man, daß diejenigen, die in den Booten zu Wasser gelassen worden waren, nur Spott ernten würden, wenn sie ein paar Stunden später wieder zurückrudern müßten.

Zuerst zeigten sich alle Leute an Bord gleichgültig. Man war von der Unsinkbarkeit des Schiffes so überzeugt, daß man sich bis zur letzten Minute darauf sicher fühlte. Ein Steward erzählte uns später, daß er wiederholt bei einer Frau angeklopft habe, doch sie habe keine Anstalten gemacht, die Kabine zu verlassen. Schließlich habe er versucht, sie herauszuschleppen, aber sie habe sich so dagegen gewehrt, daß er es dann aufgegeben habe. Man nimmt an, daß sie in ihrer Luxuskabine ertrunken ist."

In den Rettungsbooten der Titanic war für 1 178 Personen Platz. Das reichte längst nicht für jeden an Bord, aber es wäre Platz für weit mehr als nur die 700 gewesen, die überlebten. Viele weitere hätten gerettet werden können, wenn die ersten Rettungsboote nicht halb leer zu Wasser gelassen worden wären, weil man von der Unsinkbarkeit des Schiffes so überzeugt war.

Wie berichtet wurde, klopfte ein Steward wiederholt an eine Kabinentür und sagte warnend zu der Passagierin, daß sich das "Unvorstellbare" ereignen würde. Doch sie war gegen seine Warnungen taub. "Wie töricht!" magst du sagen.

Immer und immer wieder wird aber auch an deine Tür geklopft, und du wirst eindringlich gewarnt. Es sind Jehovas Zeugen, die anklopfen, treue Boten Gottes, des Allmächtigen. Sie warnen nicht davor, daß das gegenwärtige weltweite System der Dinge in der Gefahr steht, in einem Meer von Kriegen, Verbrechen und Gewalttaten zu versinken. Vielmehr warnen sie davor, daß Gott dieses System bald beseitigen und durch eine von seinem himmlischen Königreich regierte gerechte neue Ordnung ersetzen wird.

Wie reagierst du auf diese Warnung? Sagst du wie jene Passagierin auf der Titanic: "Lächerlich! Undenkbar!" und machst deine Tür zu? Eine solche Einstellung kann dich das Leben kosten.

Die Gefahr sollte offensichtlich sein

Auf der Titanic gab es einige, die ahnten, daß eine Katastrophe bevorstand. Wieso? Weil man auf diesem Schiff die einfachsten Grundregeln der Seemannskunst verletzte. Ein Überlebender berichtete zum Beispiel: "Es hieß, daß wir den ganzen Nachmittag mit einer Geschwindigkeit dahinbrausten, die die Rekordgeschwindigkeit für Atlantiküberquerungen übertreffe. Nur wenige Stunden bevor wir den Eisberg rammten, fuhren wir, wie unter den Passagieren bekannt war, 23 Meilen die Stunde. Wir alle wußten, daß das Schiff im Laufe des Tages mehrere Eiswarnungen erhalten hatte."


Sagst du wie eine Passagierin auf der Titanic: "Lächerlich! Undenkbar!" und machst deine Tür zu?

Warum die gefährliche, halsbrecherische Geschwindigkeit? Ein anderer Überlebender erzählte: "Bevor ich mich an jenem Abend [vor der Schiffskatastrophe] zur Ruhe begab, hatte ich ein langes Gespräch mit Charles H. Hays, Präsident der Grand-Trunk-Eisenbahn. Zum Schluß sagte Mr. Hays unter anderem: ,Die White-Star-, die Cunard- und die Hamburg-Amerika-Linie wetteifern miteinander um den Ruhm, den modernsten und schnellsten Überseeluxusdampfer zu besitzen. Bald wird jedoch eine gräßliche Katastrophe diesem Wettstreit Einhalt gebieten.' Der Arme, wenige Stunden später war er tot!"

Verhält es sich mit der gegenwärtigen Weltlage nicht ganz ähnlich? Die Titanic, auf der die Warnungen mißachtet wurden, weil man glaubte, sie sei unsinkbar, befand sich in einem gefährlichen Wettlauf. Auch die Nationen der Erde befinden sich in einem allerdings noch weit gefährlicheren Wettlauf, einem Rüstungswettlauf, und hoffen wie der Kapitän der Titanic, daß es nicht zu einer Katastrophe kommt. Ist diese Hoffnung jedoch berechtigt, oder ist sie unangebracht? Aufmerksame Beobachter der politischen Szene halten eine Katastrophe für immer wahrscheinlicher.

Bist du versucht zu sagen: "Lächerlich! Undenkbar!", wenn Jehovas Zeugen dich davor warnen, daß das gegenwärtige System der Dinge einer Katastrophe entgegengeht? Dann denke daran: Diese Welt verletzt die einfachsten Grundregeln einer vernünftigen Politik, eines gesunden ökologischen Gleichgewichts und gesunder internationaler Beziehungen. Warum sollte eine Katastrophe unwahrscheinlich sein?

Warnungen müssen beherzigt werden

Nur zu wissen, daß Gefahr droht, rettete Mr. Hays auf der Titanic nicht; dieses Wissen allein wird auch niemand retten, wenn das Ende des gegenwärtigen Weltsystems kommt. Um den Untergang der Titanic zu überleben, mußte man den Warnungen entsprechend handeln.

Das bedeutete für viele, mitten in der Nacht die bequeme Luxuskabine zu verlassen und, nur in den Schlafrock gehüllt, schleunigst an Deck zu gehen, wo es eisig kalt war. Es bedeutete, genau und demütig den Anweisungen der Stewards und der Seeleute zu gehorchen und in eines der kleinen Rettungsboote zu steigen, während vielleicht der Mann oder der Bruder zurückbleiben mußte. Es bedeutete, in dem kleinen Rettungsboot von einem Schiff wegzurudern, das damals wie folgt beschrieben wurde: "Ein großer fünfzehn Stockwerke hoher schwimmender Palast, prachtvoll und gigantisch in jedem Detail, ... mit ... großen Salons und Restaurants, einem Filmtheater, Squash- und Tennishallen, Schwimmbassins, einem türkischen Bad und einem Raum für hydroelektrische Bäder, großen Rauchsalons, Spielsalons, prächtigen Musikzimmern, verglastem Promenadendeck, Wintergarten, Palmengarten, Turnhalle ... und sogar einer Minigolf-Anlage." Es bedeutete, all diesen Luxus und diese Bequemlichkeiten gegen einen harten Sitz in einem offenen Boot in eiskaltem Wasser einzutauschen. Es bedeutete - wenigstens für die, die als erste die Rettungsboote bestiegen -, die Furcht vor denen zu überwinden, die sagten, sie würden "nur Spott ernten", wenn sie nachher wieder reumütig zur Titanic zurückrudern müßten. Ja, die Passagiere hörten die Warnung, aber sie zu beherzigen mag nicht einfach gewesen sein. Es erforderte Entschlußkraft, Demut, eine Absage an den Materialismus und die Bereitschaft, Entbehrungen auf sich zu nehmen. Aber es lohnte sich. Die andere Alternative hätte bedeutet, noch einige Minuten länger bequem zu leben, danach aber der sichere Tod.

Das "Schiff" hat zu sinken begonnen

Im Jahre 1914, dem Jahr, in dem der Erste Weltkrieg ausbrach und sich die bemerkenswerte Prophezeiung Jesu aus Matthäus, Kapitel 24, Lukas, Kapitel 21 und Markus, Kapitel 13 zu bewahrheiten begann, fing das Weltsystem an zu "sinken". Jesus sagte: "Nation wird sich gegen Nation erheben und Königreich gegen Königreich, und es wird Lebensmittelknappheit und Erdbeben an einem Ort nach dem anderen geben. Alle diese Dinge sind ein Anfang der Bedrängniswehen" (Mat. 24:7, 8).

Jesus machte auch darauf aufmerksam, daß der Ausbruch der "Bedrängniswehen" gefolgt wäre von einer Christenverfolgung, dem Aufstehen falscher Propheten, einer Zunahme von Verbrechen und Gesetzlosigkeit und einer weltweiten Verkündigung der guten Botschaft von Gottes Königreich. "Und dann", sagte er, "wird das Ende kommen" (Mat. 24:9-14).

Wer möchte bestreiten, daß sich diese Voraussagen seit 1914 eine nach der anderen bewahrheitet haben? Wer das täte, gliche den Titanic-Passagieren, die bestritten, daß der Ozeanriese einen Eisberg gerammt hatte.

Was dem gegenwärtigen Weltsystem 1914 widerfuhr, ist von größerer Tragweite als der Zusammenstoß eines Schiffes mit einem Eisberg. Die biblische Zeitrechnung läßt erkennen, daß Jehova Gott im Jahre 1914 Jesus Christus als den rechtmäßigen Herrscher der Erde eingesetzt hat.* Darauf warf Christus als erstes Satan, den Teufel, aus dem Himmel in die Nähe der Erde hinab. Die Folgen werden in Offenbarung 12:12 treffend wie folgt beschrieben: "Wehe der Erde und dem Meer, weil der Teufel zu euch hinabgekommen ist und große Wut hat, da er weiß, daß er nur eine kurze Frist hat."

Diese "kurze Frist" von weltweitem Weh und Leid begann 1914. Wie lange wird sie dauern? Jesus deutete an, daß sie noch zu Lebzeiten der Generation enden wird, die ihren Beginn miterlebte (Mat. 24:34). Wie würde diese Zeit von Weh und Leid enden? Nicht allmählich, sondern plötzlich, wenn das sinkende weltweite "Staatsschiff" bei einer dramatischen Konfrontation zwischen den politischen Mächten dieser Welt und Christi Engelheeren, einem Schlußkampf, bekannt als Schlacht von Harmagedon, versenkt werden wird (Offb. 16:14, 16; 19:11-21).

Niemand sollte sich täuschen lassen, wenn das System der Dinge anscheinend wieder etwas "Auftrieb" erhält. Es gibt Personen, die den unvernünftigen Titanic-Passagieren gleichen, die "über die Situation Witze machten". Wie aus zeitgenössischen Zeitungsberichten hervorgeht, "stürzten Eisbrocken [von dem Eisberg, den die Titanic rammte] auf Deck und wurden von einigen scherzhafterweise als Souvenirs weitergegeben".


Noch bietet sich die Gelegenheit, ein "Rettungsboot" zu besteigen. Aber die Zeit läuft ab.

Auch heute gibt es Personen, die alles leichtnehmen und sagen, es habe schon immer Kriege, Verbrechen und Not und Elend gegeben. Warum sich also darüber aufregen? (2. Pet. 3:3, 4). Das "Staatsschiff" kann sich noch lange über Wasser halten, behaupten sie. Denke jedoch daran, daß Kriege, Gesetzlosigkeit, Hunger und andere Übel lediglich Anzeichen dafür sind, daß das Schiff im Begriff ist zu sinken. Wegen dieser Übel wird das Schiff nicht untergehen. Gott wird es versenken - und zwar rasch und auch bald.

Es hat Schlagseite

Doch die beiden Weltkriege, die beispiellosen Erdbeben, die Millionen von Hungertoten, die es jedes Jahr gibt, das beschleunigte Wettrüsten - all das führt klugen Personen deutlich vor Augen, daß das Weltschiff Schlagseite hat. Seine Zeit läuft ab. Als die Fahrgäste der Titanic schließlich erkannten, in welch gefährlicher Lage sie waren, stellte man fest, daß nicht genügend Rettungsboote da waren. Auch die Bibel zeigt, daß es zu spät sein wird, wenn die Masse der Leute schließlich erkennen wird, daß das Weltsystem untergeht, denn dann werden keine "Rettungsboote" mehr zur Verfügung stehen (Mat. 24:38-42).

Nachdem alle Rettungsboote zu Wasser gelassen worden waren, gab es für die Zurückgebliebenen keine Hoffnung mehr auf Rettung. Es spielte keine Rolle, daß John Jacob Astor IV. ein Vermögen von schätzungsweise 100 000 000 Dollar besaß. Sein Geld konnte ihm das Leben nicht retten. Auch das Geld seines Sohnes Vincent nützte ihm in diesem Augenblick nichts. Dieser soll "fast hysterisch vor Schmerz" gewesen sein, als er in New York das Büro der Linie belagerte und jeden wissen ließ, "daß er sein ganzes Geld darum gäbe, würde man ihm mitteilen, daß sein Vater in Sicherheit sei". Alles umsonst!

Ja, der Untergang der Titanic war eine schreckliche Katastrophe, doch der bevorstehende Untergang des gegenwärtigen Systems der Dinge wird weit schlimmer sein. Etwa ein Drittel der Titanic-Passagiere kam mit dem Leben davon. Aus der Bibel geht aber nicht hervor, daß ein so großer Prozentsatz der Weltbevölkerung die bevorstehende Vernichtung des Systems der Dinge überleben wird. Im Gegenteil, wir lesen: "Die von Jehova Erschlagenen werden schließlich an jenem Tage gewißlich von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde sein" (Jer. 25:33). Zu den Erschlagenen werden 'Könige, Militärbefehlshaber, Starke, Freie wie auch Sklaven und Kleine und Große' zählen (Offb. 19:18).

Die Menschen werden durch die vorliegende Zeitschrift und ihre Begleitzeitschrift Der Wachtturm seit vielen Jahren gewarnt. Noch haben demütige Menschen die Gelegenheit, ein "Rettungsboot" zu besteigen, indem sie die auf der Bibel beruhenden Anweisungen der treuen Boten Gottes befolgen. Aber die Zeit läuft ab. Warum sich nicht - solange es noch nicht zu spät ist - mit Jehovas Zeugen in Verbindung setzen, um zu erfahren, was man tun muß, wenn man den Untergang dieses Systems der Dinge überleben möchte?


Fußnote:
Siehe das Buch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt, S. 82 bis 93, herausgegeben von der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft.

Artikel entnommen aus der Zeitschrift "Erwachet!" vom 22. Januar 1982
 1982 by Watch Tower Bible and Tract Society

Möchtest Du gerne mehr über Louis Garrett erfahren? Zum Beispiel die Antwort auf die Frage, warum sein Name nicht in den Passagier-Listen der Titanic steht? Dann lies bitte, was John Wadsworth über Louis Garrett herausgefunden hat. Hier ist meine Übersetzung der Zusammenfassung seiner Untersuchungen:

Ich durchstöberte das Internet nach Informationen über die Titanic. Schließlich erinnerte ich mich, daß es einen Erwachet-Artikel gab, der den Lebensbericht eines Überlebenden der Titanic-Katastrophe enthielt. So machte ich mich daran, den Bericht aus dem Erwachet! mit den im Internet zugänglichen Informationen (wovon es unglaublich viele gibt) zu vergleichen.

Der Erwachet-Artikel war betitelt "Ich überlebte den Untergang der Titanic" und wurde geschrieben von einem Neffen des Überlebenden Louis Garrett.

Das erste Problem, das sich mir stellte war, daß es gemäß den im Internet zugänglichen Passagier-Informationen keinen Louis Garrett auf der Titanic gab.

Dies war ein kleiner Rückschlag, doch es gibt gute Gründe anzunehmen, daß Louis Garrett nicht sein ursprünglicher Name war. Die wichtigsten Fakten aus dem Erwachet-Artikel sind diese:

  • sein Name war Louis Garrett
  • geboren 1900 in Hakoor, Libanon
  • sein Vater war Dorfmüller in Hakoor
  • die Mutter und 2 Schwestern wanderten 1904 in die USA aus
  • der Rest der Familie emigrierte 1912
  • im März 1912 kamen sie in Marseille, Frankreich, an
  • sie buchten die Überfahrt in die USA auf der Titanic
  • der Vater konnte nicht mitreisen, weil er die Ärztliche Untersuchung nicht bestand
  • Louis (12) und seine Schwester (14) gingen in Frankreich an Bord der Titanic
  • sie reisten 3. Klasse bzw. Zwischendeck-Klasse
  • sie konnten zu der Zeit kein Englisch sprechen, nur Arabisch
  • die beiden wurden im letzten Rettungsboot gerettet, das die Titanic verließ
  • ihm wurde von John J. Astor ins Rettungsboot geholfen
  • für die Überlebenden Einwanderer in die USA wurde auf die Abwicklung der Einreisekontrolle verzichtet
  • später lebte er in Jacksonville, Florida
  • Louis Garrett starb einige Zeit bevor 1981 der Erwachet-Artikel veröffentlicht wurde

Es ist vernünftig anzunehmen, daß Louis Garrett ursprünglich einen arabisch klingenden Namen hatte. Es scheint üblich gewesen zu sein, daß Imigranten bei ihrer Ankunft "westlich" klingende Namen annahmen.

Zwei der hilfreichsten Web-Seiten für meine Untersuchungen war die von Phillip Hind:
http://www.rmplc.co.uk/eduweb/sites/phind/
und von Jim Sadur:
http://www.intercall.net/~jsadur/titanic/

Beide haben Passagier- und Besatzungs-Listen, auf denen die Überlebenden markiert sind, und sofern vorhanden, Biographien.

In dem Erwachet-Artikel sind einige Ungenauigkeiten. Es wird von der "Cunard-White-Star-Linie" gesprochen, während in Wirklichkeit Cunard eine andere Gesellschaft als White-Star war. Diese Verwechslung ist verständlich, da die Titanic-Rettungsboote der White-Star-Line von Cunards Carpathia aufgenommen wurden, und so beide Schiffahrtslinien in der Erzählung "fusionierten".

Auch wird in dem Bericht Marseille, Frankreich, erwähnt, aber Marseille liegt am Mittelmeer, während die Titanic ihre Passagiere in Cherbourg an der Atlantikküste Frankreichs aufnahm. Vermutlich werden uns einige Details nicht berichtet, denn es ist wahrscheinlich, daß Louis Garrett vom Libanon nach Marseille mit dem Schiff reiste. Dann wird er wohl mit dem Zug durch Frankreich nach Cherbourg gefahren sein - ein Detail, das ausgelassen wurde.

Andererseits passen die sonstigen Informationen sehr gut. Im letzten Standard-Rettungsboot, das die Titanic verließ, saß John J. Astors Frau, was damit übereinstimmt, daß Astor Louis in das Boot half. (Die weiteren Boote nach diesem waren nur Faltboote.) Tatsächlich wurde den Überlebenden auch die Einwanderungs-Prozedur erlassen. Phil Hinds Web-Seite nennt uns die Überlebenden des Rettungsbootes Nr. 4, des Bootes, in dem Astors Ehefrau saß, und in dem Louis und seine Schwester entkamen. Offenbar waren 34 Personen in diesem Boot, aber nur 31 Namen sind aufgelistet. Gemäß der Web-Seite von Jim Sadur sind die Aufzeichnungen über die Überlebenden der Zwischendeck-Klasse, und wie sie entkamen, sehr spärlich. So ist anzunehmen, daß Louis und seine Schwester 2 der 3 nicht namentlich erwähnten Personen in Rettungsboot Nr. 4 waren.

(Dieses Boot war für 65 Personen ausgelegt. Es war das letzte richtige Rettungsboot und nur 34 Personen saßen darin - wirklich tragisch.)

Wer war nun Louis Garrett?

Bei meinem Vergleich der vorhandenen Passagierlisten, wer sich wo einschiffte, wer überlebte, etc., stieß ich auf folgende Namen:

Nicola-Yarred, Miss Jamila
Nicola-Yarred, Master Elias
(von Philip Hinds Seite)

Über diese beiden Personen gibt es keine weiteren verfügbaren Informationen. Daß sie als "Master" und "Miss" bezeichnet werden deutet an, daß sie Kinder waren. Beide gingen in Cherbourg, Frankreich, an Bord.

Wenn jemand seinen Namen von Elias ändern wollte, dann ist es gut denkbar, daß er Louis als "ähnlichen" Namen auswählt.

Vielleicht gibt es ja jemanden aus Jacksonville, der mehr über diese Geschichte weiß. Louis Garrett kam zu den Zeugen Jehovas durch einen "Pionier", der George Kafoory hieß, und der ebenfalls Arabisch sprach.


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